[Music: Kasabian - Fire ]
Wir, und da mag sich jetzt jeder angesprochen fühlen, dessen CD-Regal die Aufschrift "Indie & Alternative" trägt, mögen es, dass unsere Musik
a) niemand kennt, b) arschcool ist und c) die Künstler hinter den horizonterweiternden Meisterwerken kein, aber auch wirklich gar kein kommerzielles
Ziel verfolgen und mit dem Verdienst aus den, skandalöserweise nicht kostenfrei abgegebenen, Platten weltweit Auffangstationen für sehbehinderte
Waschbären errichten und ihr ganzes Glück darin finden, etwas Freude in die Herzen der Hörer und ein paar mehr Dioptrien in die Augen der Pelztiere
gesät zu haben.
Damit man auf dem glorreichen Weg des Akustik Robin Hood nicht vor die Hunde geht, bastelt der ökologisch orientierte Heilsbringer ein Perpetuum Mobile
aus autotrophen Hamstern im Keller und lauscht verzückt den tapsigen Geräuschen der steuerfreien Nager, wie sie hochmotiviert ihren Beitrag zur
Gegenbewegung des offensiven Verderbens dieser Welt leisten.
Draußen wandert ein Emu durch die Zone und schaut, teils demonstrativ und teils weil's halt nunmal nicht anders geht, ziemlich dämlich drein, als ihn
aus Nachbars Garten ein manisch-depressives Lama anstarrt, offenbar noch unsicher, in welcher Phase seiner bipolaren Störung es sich denn gerade
befindet.
So stehen sich die beiden ungleichen Vertreter des Wahnsinns gegenüber, repräsentieren eigentlich überhaupt nichts, sind sich dessen aber nicht
bewusst und setzen daher zunächst sehr bedeutungsschwere Minen auf, was unfreiwillig eine gewisse Komik zum Geschehen addiert.
Über ihnen springt ein Wolf durch die Wolken, frei und unpolitisch, wirft einen flüchtigen Blick auf das Duell am Boden, verpasst vor Lachen
beinahe die nächste Trittfläche und nimmt seine Unachtsamkeit als Anlass, ein wenig Mitgefühl mit den in ihren Gehirnwindungen verlorenen
Erdbewohnern zu haben und schickt ihnen einen Impuls, sich von ihrer heißgeliebten Ernsthaftigkeit zu lösen.
Spiegeln wir das Ganze am Horizont, so sehen wir, wie ein Eichhörnchen und der Teufel, genau genommen in einer Gestalt, über riesige Seen aus
suizidverseuchter Empathie tanzen, die ununterbrochen als schwarzer Regen von der Decke tropft.
Jedes der Tiere ist äußerst bemüht in seiner aktuellen Position, die aus ihm meist unerfindlichen Gründen eingenommen wurde, alles mögliche zu
erreichen und dreht sich dabei zumeist mehrmals um die eigene Achse, was nicht nur zur eigenen Verwirrung, sondern auch zu diversen Missverständnissen
in der Umgebung führt.
Zum Glück, und da schließt sich der Kreis wieder, erklingt überall wo man möchte der individuell abgestimmte großartige Soundtrack zu diesem
ganzen Ego-Chaos und macht alles ein bisschen erträglicher.
Ich weiß manchmal auch nicht, wessen Emu mir denn grad die Laune versaut hat, aber solange die Musik spielt...kann das alles sehr witzig sein.