[Music: Norther - Alone in the end]
Zack! Da isses passiert. Man sprintet aus der Wohnung, vermeidet nur mit Mühe einen wenig eleganten
Sturz auf der Treppe und schwingt sich in seinen fahrbaren Untersatz.
Zuspätkommen ist ärgerlich. Vor allem, wenn's nur um diese berühmten 5-10 Minuten geht. Dabei hab ich
nichtmal verschlafen. Ich hab einfach völlig sinnfrei wach im Bett gelegen und philosophierend
meine Tapete begutachtet, weil sich das Aufstehen für den Moment noch als ein ziemlich
unmögliches Unterfangen präsentierte.
Hinzu kam, dass mich kurz vor Aufbruch der soeben konsumierte Kaffee zu einem längeren
Badezimmeraufenthalt inspirierte. Hätte mich also jemand nach dem Grund meines Zuspätkommens
gefragt hätte ich das nu auch schlecht aufrichtig begründen können.
Also bricht man auf dem Weg zur Arbeit diverse Gesetze und bringt sich und einige
Unschuldige in akute Lebensgefahr.
Und das alles für verkackte 10 Minuten. Lohnt sich irgendwie nicht. Deja vu? Scheiße ja, wem passiert
sowas bitteschön nur einmal?
Wie dem auch sei, auf jeden Fall hab ich mir aus gegebenem Anlass Gedanken über verschiedene
Formen des Zuspätseins gemacht und mich gefragt, für was es noch so alles zu spät ist. Die
eventuell vorhandenen älteren Semester meiner Leser werden nun denken, dass es mit 24 ja für noch so
gar nichts zu spät ist. Im Großen gedacht ist das wohl auch richtig, aber so absolut dann natürlich
doch nicht.
Es ist zu spät um vor 10 Jahren nicht mit Kung-Fu aufzuhören, es ist auch zu spät um der dämlichen
fetten Kuh im Kindergarten zu sagen, dass sie mir auf den Sack geht und es ist auch zu spät,
um mich zu entschuldigen, als es noch was gebracht hätte.
Manchmal ist es eben wirklich so, dass man erst merkt, wie wichtig etwas oder jemand war, wenn
er/sie/es schon weg ist. Aber manchmal ist es auch nur fast zu spät, obwohl man bis dahin
erfolgreich alle kleineren und größeren Zaunpfähle ignoriert hat. Also Augen auf und mal überlegen,
was einem wie wichtig ist und ob man sich entsprechend verhält. Und wenn man merkt, ohoh, da wird's
knapp, dann heißt's Arsch hoch, oder Schulterzucken. Wenn man den Moment bewusst mitkriegt
kann man sich immerhin voll für die Konsequenzen verantworlich fühlen. Ich halte jedenfalls nichts
vom Bereuen. Aber jede Menge von Wertschätzung und Dankbarkeit. Jetzt!
Allen sehr lernresistenten und verpeilten Exemplaren sei gesagt, dass man oft jede Menge Zeit hat,
um etwas so richtig zu versauen. Aber zum einen wird's dann entsprechend schwieriger und zum andern
isses dann auch irgendwann soweit. Up up 'n away!
Ich steh morgen 10 Minuten eher auf. Und so. Vor allem und so.