[Music: The Editors - The Racing Rats]
Das verstörte Tier klettert aus dem Kühlschrank, droht zu sterben und treibt mir Tränen in die Augen,
weil es mich mal wieder mit erbarmungsloser Härte auf meine eigenen, vergleichsweise winzigen, aber
dennoch nicht anders gearteten Grausamkeiten hinweist. Es schwankt ein wenig, schaut mich an mit
einer überwältigenden Klarheit in den Augen, während wunderschön sanfte Drums, halb übertönt von der
Klospülung, den Takt seiner Pfoten bestimmen, als es sich zunächst schüttelt, verwirrt umherschaut,
an den Rand der Wiese tapert, sich niederlegt und ins Tal schaut, um dem seltsamen Treiben dort unten zuzuschauen:
Da verdreht Ich-Bezogenheit sämtliche Tatsachen, sieht Dinge, wie sie gedeutet werden müssen, nachdem man etwas
bestimmtes erwartet hat, um sich nicht minderwertig zu fühlen, was ja nicht geht, weil es dem
aktuell illusionären Gemütszustand den Boden unter den Füßen wegreißen würde.
Ein allzu bekanntes Gefühl macht sich breit, als es beobachtet, wie sich ein Mensch verändert, sich
selbst inmitten von scheinbarem Glück verliert, seine Entwicklung zurückdreht, einen anderen zur
Aufrechterhaltung des eigenen Egos benutzt und gleichermaßen zur Aufrechterhaltung und Verbreitung
von seelischer Beschränkung benutzt wird.
Auf einmal spürt die Kreatur, wie sie die Aufmerksamkeit der Talbewohner auf sich zieht, sie fühlt sich beobachtet,
von gierigen, selbstgerechten Blicken durchbohrt, "wehrlos gegen Auslegungen, die einfach ihr wahres
Wesen verkennen", weicht zurück, dreht sich verunsichert im Kreis, die grüne Wiese verwandelt sich
in steiniges, unwegsames Gelände und ist auf einmal so gemütlich wie ein Minenfeld.
Die toten Spuren der Verurteilung im Nacken, stellt das Tier traurig fest, dass diese Menschen das Staunen
verlernt haben, jenes Staunen darüber, wie jemand ist, besser gesagt, sein kann, dass sie zu blind
geworden sind, durch festgefahrene Meinungen, um noch das Wunder des Neuen in scheinbar altbekannten
Gesichtern zu erkennen.
Und so entsteht leise, langsam, unaufhaltbar und leider irreversibel diese Kluft, diese Entfremdung und
das "goodbye", welches ich schon vor einiger Zeit innerlich habe kommen sehen.
Das Tier wendet sich also ab, lässt seine ehemaligen Gefährten zurück und schleicht lautlos davon,
bis hin zu einem nebeligen Abgrund, aus dessen Tiefe immer deutlichere Stimmen zu hören sind, Stimmen,
die es anziehen, deren Ursprung nicht auszumachen ist und es dennoch gebannt ins Unbekannte starren
lassen. Von einem allzu lauten Ruf abgeschreckt, zuckt es aber zurück, flüchtet, springt in meine Arme,
noch zögernd vor dem Absprung, nicht zweifelnd, nur ein bisschen ängstlich, nicht genau wissend,
welche Lawinen der kleine Stein vor seinen Pfoten auslösen wird und was diese alles begraben und was freilegen
werden. Auch noch zögerlich um der Lyrik willen, des Potentials, der Verschnörkelungen, der Schönheit
und Anziehungskraft eines Problems.
Das Loslassen von vorweisbaren Gründen, Schmerzen und wirren Träumen, die ein bisschen in deiner
Vergangenheit herumwühlen möchten, sich dank moderner Technik Wort für Wort nachlesen lassen
und dein feiges, umhertänzelndes Gehabe protokollierten, welches heute undenkbar wäre, ohne in lautes
Gelächter auszubrechen, weil sich so unglaublich viel bewegt und verändert hat.
Wieder unter der streichelnden Hand beruhigt, legt das Tier den Kopf schief, schaut selbstsicher
in die Welt, transzendiert in einen unsichtbaren Zustand und verschmilzt wieder mit mir zu einem Wesen,
welches sich mehr denn je frei und ganz fühlt und zuversichtlich allem entgegenblickt, was da denn
kommen mag...auch wenn es sich, tollpatschig wie es nunmal so ist, unterwegs vermutlich noch etliche Male
den Kopf stoßen wird!
"It's a bird, it's a plane, it's Super Jackson and his atomic pea tendrils!"