[Music: In Flames - Dial 595-Escape]
So ein Psycho-Dasein kann ganz schön stressig sein, weil man manchmal einfach dasitzt und auf ein Wunder
wartet, ein bisschen sterben möchte, mitten im Dunkel der Wintersonne, die alle unzähligen Möglichkeiten
deiner Welt in verschiedenen Schattierungen in Erscheinung treten lässt.
Der Held im Film muss stark sein, immer, auch wenn ihn 3 let it be Akkorde gnadenlos in verschwommene
Flashbacks befördern, bis er ohne Vorwarnung einfach aufhört zu atmen und seinem Schicksal direkt
in die Augen blickt.
Denn auch er lebt nur in seiner eigenen einsamen Welt, die wohl nie jemand betreten wird und höchstwahrscheinlich
nichtmal um ihre Existenz weiß. Aber gerade dann darf man sie nicht zulange verlassen, um nicht zu vergessen,
wovon man jede Nacht träumt. Und wenn man es einfach nicht finden kann, das passende Gegenstück, das Yin zu
seinem Yang, den Damon zu seinem Affleck, dann kommt spätestens in allerletzter Sekunde das rettende
woohoo aus den Boxen und erinnert dich draran, dass du alles bei dir finden kannst.
Auch wenn es natürlich viel einfacher ist, es dir gegenüber zu suchen, zum Beispiel bei dem jungen Mann
rechts an der Theke, der sich verdammt zusammenreißen muss, oder in den Zeichnungen des braunen Rückens,
der sich deutlich weniger zusammenreißen muss, aber trotzdem einen winzigen Blick auf versteckte
Features werfen durfte.
Die Diskrepanz zwischen verstands-initiiertem spirituellem Geschwafel und der rauhen Realität der durchaus
vorhandenen Handlung ist ungefähr so wie bei dem Röntgenbild eines M. Boeck Patienten. Denen gehts schließlich
auch ziemlich gut.
"Fang mich, fang mich wenn du kannst, benutze Herz und Verstand."
Eine Band bleibt dran und macht sich unbeliebt, eine andere muss pöbeln und sich den Schädel zu 2/3
kahl rasieren, neue Dingsis sind einfach leer, was aber auch seine Vorteile hat, ist halt weniger
verquert und anstrengend. Man kann einen kompletten Bahnsteig auch aus Europaletten bauen, gar kein
Thema.
Und egal wie leise man schreit, morgen sind die Seitenzahlen wieder höher und die Hausnummern kleiner,
selbst wenn man den ganzen Scheiß in sich gerne niederbrennen würde. Eine Flamme bleibt immer, die bringt
dich nach Hause. Irgendwann. Sogar mit Ryoga-Orientierungs-Skills. Wirst schon sehen.