[Music: Nada Surf - Happy Kid]
Da wäre es wieder soweit, die Tasse ist gefüllt, die Zeit abgelaufen, die traurige Stimmung dahin,
australische potentiell koreanische DVDs sind bestellt, E-Mails unbeantwortet, die Schale dampft im
trüben Tageslicht, nüchterne Realität kämpft gegen (olfaktorische) Illusionen und innerseelische
Konflikte.
Festlegen ist in den letzten Wochen zur Rarität herangewachsen, durch "mal gucken was passiert" ersetzt
worden und führte mich vorbei an überraschend platzierten Büchern, übertrat einen Haufen Grenzen und lachte
frühere Werte aus, stieß mich mit der Nase direkt auf gut gepflegte Engstirnigkeit, transformierte
sicher geglaubte Gefühle binnen Sekunden zu Nichtigkeit und setzte mich am Ende fröhlich und
vollkommen ohne Erwartungen vor der vertrauten Fremde aus. Diese war auf Rollen unterwegs, gab sich
zunächst professionell unbeeindruckt und verteidigte mit Kippe in der Hand und vorgeschobenem
Idiotenschein seine Schwermetall-Ehre. Besoffene Spacken sind manchmal auch zu etwas nütze, genau wie
Filme mit Überlänge und Hypotonie-Neigung.
Am anderen Ende der Hoffnung musste man sich zusammenreißen, Früher umdrehen, zum Glück unwissend sein
und sich an extrem schnell gealterten Erinnerungen festhalten.
Verrückt wars, wie dunkle Hände menschliche Nähe und ein bisschen Heilung suchten, diese auch fanden
und so irreal es auch scheinen mag, da war etwas echtes, was sich nicht verleugnen lässt und
erstaunlicherweise kaum Leere produziert hat.
Neugier und Angst beäugten sich vorsichtig, wagten beide, sich auf die Hinterpfoten zu stellen und
minutenlang auf den unerschütterlichen Idealismus zu starren, der sich hinter all der Überzeugung, dem
Umhertanzen und der Konsequenz verbirgt.
Aber da jeder Traum mal vorbei sein muss und meist zwischendrin schon sein Ende ankündigt, ging es
irgendwann vom Bahnhof direkt zur Müllkippe und für die andere Partei eine dunkel beleuchtete Straße
hinunter, immernoch nicht in der Realität angekommen, so dass das alle 3 1/2 Minuten hörbare Geräusch
der eigenen Schritte fast unerträglich schien.
Genauso unerträglich wie diese überwältigende Unvereinbarkeit im Zwischenmenschlichen, die mich
zweifelnd, schreiend und deprimiert weitergehen lässt, bis ich auch diesen scheinbaren Widerspruch
als Lüge enttarnen kann.
Bis dahin dreht sich erstmal vieles um Ersatzdrogen, Kennenlernen, keine-Ahnung-haben, Katzen ohne
Halsband und getreifte schmale Rücken in einer Küche, die fernab deiner kleinen Welt beweisen, dass
Glück und Sein so verdammt ungebunden sind, dass es einen wahnsinnig machen könnte.
Denn, und die Erkenntnis kommt mir erst Stunden nach meinem definitiv guten, aber Perspektiven-beeinflusst
sogar geilen Gesöff, wenn man den Moment erkannt hat, dann weiß man, dass Idealismus eigentlich noch
tiefgestapelt ist.